Polizisten verschaffen sich Gehör

  03.04.2025 Baselbiet, Finanzen, Gemeinden, Gesellschaft, Baselbiet, Polizei

Personalverband macht Druck

Trotz grundsätzlicher Zufriedenheit innerhalb des Korps richten Mitarbeitende der Baselbieter Polizei Forderungen an die Polizeileitung und den Regierungsrat. Für Ivo Corvini, Präsident des Personalverbands, geht es dabei auch um die Motivation der Mitarbeitenden.

Tobias Gfeller

Die Kernaussage aus der Umfrage des Personalverbands bei knapp 700 Mitarbeitenden der Polizei Baselland ist mit einer hohen Zufriedenheit zwar positiv, betrachtet man die Einzelaussagen, müssen bei den Verantwortlichen fast schon die Alarmglocken läuten.

Im Zentrum der Kritik stehen die Entlöhnung und die Zulagen, berichtet Ivo Corvini, Präsident des Personalverbands der Baselbieter Polizei. «Der Grundlohn inklusive Zusatzvergütungen wird als zu tief angesehen. Gerade auch im Vergleich mit anderen Korps besteht das Gefühl, dass die Entlöhnung im Marktumfeld zu tief ist. Es wird infrage gestellt, ob die Entlöhnung marktgerecht ist.» Wie diese Vergleiche im Detail aussehen, werde der Personalverband nun abklären, sagt Corvini. «Solche Einschätzungen, dass der Lohn tiefer sei als in anderen Kantonen, können immer auch subjektiv sein oder vom Hören und Sagen her kommen.»

Die Rücklaufquote der im vergangenen Dezember und Januar durchgeführten Umfrage war mit über 50 Prozent hoch. 92,5 Prozent der Antwortenden gaben an, dass ihnen der Lohn im Vergleich zur Verantwortung und der Komplexität ihrer Aufgaben wichtig ist. Über 60 Prozent der Antwortenden erachten ihren Lohn als zu tief.

Personalmangel als Belastung
Als zweiter Schwerpunkt der Kritik wird neben der Entlöhnung die Vereinbarkeit von Beruf und Familie genannt. Die unregelmässigen Arbeitszeiten werden ähnlich wie in der Pflege als Problem angesehen. «Nacht- und Wochenenddienste, Piketts und spontane Einsätze – das ist eine Belastung für das Privatleben, insbesondere für das Familienleben», gibt der Präsident des Personalverbands der Polizei Baselland zu bedenken. Die Vergütung dafür wird als zu gering angesehen. Ivo Corvini fordert von der Polizeileitung und dem Regierungsrat organisatorische Massnahmen, um diesen Herausforderungen gerecht zu werden und Lösungen zu erarbeiten.

Über die Hälfte der Antwortenden erachtet den Personalmangel als Belastungsfaktor, gerade bei den uniformierten Polizisten, erklärt Ivo Corvini. Der Landrat habe zuletzt zwar mehrere zusätzliche Stellen bewilligt, diese zu besetzen sei aber jedes Mal eine Herausforderung. «Diese Unsicherheit ist eine zusätzliche Belastung, auch wenn man für die Unterstützung aus der Politik dankbar ist.» Als Belastung werde auch der hohe administrative Aufwand gesehen. Dieser gehe zulasten der Massnahmen für die Sicherheit. Ein grosser Teil der Antwortenden beklagt sich über eine geringe Wertschätzung innerhalb der Bevölkerung. Für Corvini sind die Umfrageergebnisse relevant. «Die Motivation innerhalb des Korps ist essenziell. Dafür müssen die Rahmenbedingungen stimmen, auch um neues Personal zu rekrutieren, da aus der Ausbildung wenig Nachwuchs kommt.»

Lösungsansätze erarbeiten
An der Generalversammlung des Personalverbands vergangene Woche beschlossen die Mitglieder einstimmig, dass der Vorstand die Themen Entlöhnung und Zulagen sowie Vereinbarkeit von Beruf und Familie angehen soll – in welcher Form liessen die Mitglieder offen. Das könne explizit auch eine Volksinitiative sein, so Ivo Corvini. «Wir werden die Sachlage weiter erörtern und unser Vorgehen definieren.»

Sicherheitsdirektorin Kathrin Schweizer (SP) und Finanzdirektor Anton Lauber («Mitte») waren an der Generalversammlung anwesend und äusserten Verständnis für die Anliegen und Kritik der Polizisten.

Die Leitung der Baselbieter Polizei sei sich dieser Themen bewusst, erklärt Mediensprecher Adrian Gaugler. «Wir stellen fest, dass es immer schwieriger wird, geeignetes Personal zu finden, zum Beispiel Fachspezialisten im Cyber- und IT-Bereich.» Bei den Entwicklungsund Weiterbildungsmöglichkeiten und bei Arbeitsformen wie Teilzeitarbeit beschäftige sich die Polizei bereits mit möglichen Lösungsansätzen. «Bei der Lohnthematik können wir als Teil der kantonalen Verwaltung nicht eigenständig reagieren.» Hier entscheide der Landrat.


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