Im Kleinen Grosses bewirken
03.04.2025 Bezirk Liestal, Region, Schweiz, Gemeinden, Gesellschaft, Kultur, Natur, Bezirk LiestalDie Kantonsbibliothek Baselland bietet eine Saatgutbörse an
Die Saatgutbibliothek mag auf den ersten Blick bescheiden wirken, doch die Idee dahinter begeistert immer mehr Menschen. Im vergangenen Jahr wurden 641 Samentütchen getauscht.
Elmar Gächter
Die Kantonsbibliothek Baselland darf sich rühmen, eine der innovativsten öffentlichen Kulturinstitutionen der Schweiz zu sein. Laufend steigt dabei der elektronische Anteil der ausgeliehenen Medien am gesamten Angebot von jährlich rund 940 000 Ausleihen.
In einer Ecke im zweiten Stock des Gebäudes finden sich zwischen wissenschaftlichen Büchern und praktischen Ratgebern für erfolgreiches Gärtnern hölzerne Karteikästchen, wie sie vor Jahrzehnten für das systematische Organisieren gang und gäbe waren. In selbstgefalteten Tütchen aus Seiten von aussortierten Büchern, sorgsam beschriftet, sind Samen von Wildkräutern, Blumen und Gemüse zu entdecken. Das ist also die Saatgutbibliothek, jene Tauschplattform, die laut Website der Kantonsbibliothek dazu anregen soll, selber im Garten oder auf dem Balkon aktiv zu werden.
Denn in den kleinen Tütchen steckt ein grosses Potenzial, erklärt Kantonsbibliothekarin Susanne Wäfler im Gespräch
«Die Idee, die wir seit 2022 umsetzen, lehnt sich an das Leihprinzip einer klassischen Bibliothek an. Hier nimmt man Saatgut mit, pflanzt es im eigenen Garten an und bringt die neuen Samen, die man gewonnen hat, wieder zurück», erklärt sie. So entstehe ein Kreislauf, der sich beliebig oft wiederholen lasse und die Vielfalt in unseren Gärten fördere. Erste Einrichtungen seien bereits 2010 in den USA mit dem Ziel errichtet worden, bedrohte Nutzpflanzen zu erhalten und mit dem Saatguttausch die Biodiversität zu fördern. Mittlerweile gebe es weltweit geschätzte 1400 Saatgutbibliotheken, Tendenz steigend.
641 Samentütchen getauscht
Die Saatgutbibliothek in Liestal wird rege benutzt. 2024 wurden laut Susanne Wäfler insgesamt 641 Samentütchen getauscht. Auffallend sei die Vielfalt der Blumensorten, sowohl bei den Garten- als auch bei den Wildblumen. Biodiversität ist auch bei der Saatgutbörse ein wichtiges Kriterium. Bevorzugt werden lokale, alte und robuste Sorten, nicht erwünscht sind Hybride, zudem sollte das Saatgut nur in einem Topf ohne Benützung von Chemie, Pestiziden und chemischen Düngemitteln ausgesät werden.
Die Samen werden von Bibliotheksmitarbeitenden entgegengenommen und stichprobenartig auf Sauberkeit und Schimmelfreiheit geprüft. «Es ist leider zeitlich nicht möglich, die Qualität jedes einzelnen Tütchens zu kontrollieren. Wir vertrauen darauf, dass die Nutzenden erprobtes Saatgut zum Tausch anbieten», so Susanne Wäfler. Geplant sei, sich noch breiter mit anderen Saatgutbörsen schweizweit zu vernetzen.
Die Kantonsbibliothekarin erwähnt die Organisation «ProSpecieRara», die zum Einstieg in die Saatgutbibliothek einen Workshop angeboten hat. Nicole Egloff leitete diesen von rund 50 Interessierten besuchten Anlass im Auftrag von «ProSpecieRara». Etwas vom Wichtigsten solcher Tauschbörsen sei es, für das Thema «Saatgut» zu sensibilisieren. «Wo kommt es her, wer produziert es, und wie kann ich es selber vermehren? Denn Saatgut steht am Anfang all unseres Essens. Dass weltweit drei Firmen mehr als 50 Prozent des Saatgutmarkts beherrschen, ist gefährlich», zeigt sich Egloff überzeugt.
Anna Schaffter ist eine der Mitgründerinnen der Schweizerischen Samenbörse mit Sitz in Basel. In einem alten Tresorraum der ehemaligen Schweizerischen Volksbank befinden sich über 200 verschiedene Sorten. Einmal im Monat findet in diesen Räumlichkeiten ein Saatguttausch statt, ebenfalls an verschiedenen Pflanzenmärkten in der Stadt. «Aus ideologischen Gründen begannen wir, uns gegen die grosse Verschwendung und Verwirtschaftlichung von Ressourcen einzusetzen. So kamen wir auf die Idee, einen Tauschhandel für Saatgut zu organisieren, der den grossen Wert der eigenen Samen vermittelt», sagt die Hobbygärtnerin.
Die Saatgutbibliothek Liestal hat von Juli bis Dezember «Entnahmepause», Saatgutspenden können aber jederzeit vorbeigebracht werden.
www.kbl.ch/angebote/saatgutbibliothekwww.samenboerse.ch;www.nicoleegloff.ch