Datenpanne sorgt für Verwirrung
03.04.2025 Bezirk Waldenburg, Gemeinden, Bauprojekte, Langenbruck, Bezirk WaldenburgBund berechnete Zweitwohnungsanteil falsch
Am vergangenen Montag hat das Bundesamt für Raumentwicklung die Liste der Gemeinden mit einem Zweitwohnungsanteil von über 20 Prozent veröffentlicht. Langenbruck ist versehentlich in diese Liste gerutscht. Dies hätte für die Gemeinde einen Baustopp für Zweitwohnungen bedeutet.
Nikolaos Schär
Gemeinden mit vielen Zweitwohnungen liegen meist in touristischen Bergregionen. Dass die Oberbaselbieter Gemeinde Langenbruck am vergangenen Montag auf einer Liste des Bundesamts für Raumentwicklung (ARE) auftauchte, auf der Gemeinden mit einem Zweitwohnungsanteil von mehr als 20 Prozent aufgeführt sind, überraschte. Denn für diese Gemeinden gilt ein genereller Baustopp für Zweitwohnungen.
Doch der Bund hat sich im Falle des ehemaligen Baselbieter Kurorts getäuscht: «Das ist eine Ente», versichert der Langenbrucker Gemeinderat Hans Weber. Der Gemeinderat sei selbst von der Medienmitteilung überrascht worden, denn die Zahlen würden «nie und nimmer stimmen».
Gemeindeverwalter Lukas Baumgartner erklärt, wie es zu der Datenpanne beim ARE kam: «Weil das Bundesamt für Statistik alle leerstehenden Wohnungen zu den Zweitwohnungen zählt, drückt dies den Zweitwohnungsanteil schnell nach oben.» Die Gemeinde erhält diese erste Auswertung und muss dann von Hand die Leerwohnungen aus der Statistik herausrechnen. Diese bereinigte Statistik meldet die Gemeinde an das ARE zurück. Anschliessend müssen die Daten in die entsprechenden Register übertragen werden. Da das ARE mehrere Register führt, müsse die Panne bei der Mutation zwischen diesen passiert sein, sagt Baumgartner.
Fall hat keine Konsequenzen
Konsequenzen muss Langenbruck wegen dieses Fehlers des Bundes nicht befürchten: Mit der Medienmitteilung ist der Baustopp für Zweitwohnungen noch nicht rechtskräftig. «Wir haben bis Ende April Zeit, die korrekten Daten neu einzureichen», sagt Baumgartner. Das ARE habe ihm mitgeteilt, dass dies nicht die erste Datenpanne bei der Berechnung des Zweitwohnungsanteils sei, so Baumgartner.
Sechs Gemeinden mit mehr als 20 Prozent Zweitwohnungen schafften es neu auf die Liste des Bundesamts für Raumplanung, gegenüber vier Gemeinden, die von der Liste gestrichen wurden. Das ARE schreibt in der Medienmitteilung, dass die Verhältnisse auf dem Zweitwohnungsmarkt stabil seien. Insgesamt dürfen in 337 Gemeinden, die vorwiegend in der Alpenregion liegen, keine neuen Zweitwohnungen gebaut werden.
Auf die Frage, wie hoch dieser Anteil in Langenbruck effektiv sei, sagt er: «Erfahrungsgemäss liegt er unter 10 Prozent.» Genaueres könne er erst sagen, wenn die Zahlen bereinigt seien. Die Gemeinde muss sich also keine Sorgen machen, dass in Langenbruck künftig niemand mehr ein Ferienhaus bauen darf – oder in Einzelfällen noch schlimmer: eines abreissen muss.
Vielmehr lässt sich im Umkehrschluss sagen, dass in Langenbruck kein Dichtestress herrscht, sondern viele Wohnungen frei sind. Da das ARE gegenüber Baumgartner keine Anstalten machte, diese Falschmeldung richtigzustellen, darf sich die Gemeinde wohl noch für kurze Zeit als Tourismushochburg fühlen. Denn in keiner anderen Gemeinde der Region sind zu viele Zweitwohnungen ein Thema.