Als die WB 5 ein zweites Mal Feuer bekam
03.04.2025 Bezirk Waldenburg, Bezirk Waldenburg, Gemeinden, Gesellschaft, Kultur, WaldenburgMarkus Rickenbacher erinnert sich an deren Instandsetzung vor 50 Jahren
Die Dampflok Nr. 5 war ein Wahrzeichen der Waldenburgerbahn. Vor 50 Jahren wurde der Entscheid gefällt, sie wieder fahren zu lassen. Doch zuerst musste sie instand gesetzt werden – ein Rückblick mit einem Beteiligten.
Lorenz Degen
Bei der Elektrifikations-Feier der Waldenburgerbahn (WB) am 25. Oktober 1953 hätte sich wohl niemand träumen lassen, dass 17 Jahre später wieder ein Dampfzug durchs Tal schnauben würde. Die Zukunft schien ganz dem Strom zu gehören. Aber Dampfenthusiasten der Gruppe «Eurovapor» stellten 1970 eine österreichische Dampflok mit drei Wägelchen wieder auf die schmalen Schienen. Derweil nagte der Zahn der Zeit an der Dampflokomotive Nr. 5 mit dem Namen «G. Thommen», die 1960 als Denkmal beim Bahnhof Liestal aufgestellt wurde. Ihre Schwester, Nr. 6 «Waldenburg», wurde 1953 ins Verkehrshaus gebracht. Es waren die letzten Zeugen der Dampfepoche: Lok 4 «Langenbruck» und die grosse, namenlose Lok 7 wurden 1953 und 1960 abgebrochen.
Markus Rickenbacher (78), in Liestal aufgewachsen und seit Kindesbeinen von der Eisenbahn fasziniert, finanzierte sich sein Studium der Elektrotechnik als Aushilfs-Wagenführer bei der WB. «Anfänglich war Direktor Fuchs nicht davon begeistert, einen Studenten einzustellen, doch rasch erkannte er, wie praktisch es war, wenn jemand kurzfristig einspringen konnte», so der pensionierte Ingenieur.
Damals war die WB noch eine ländliche Nebenbahn mit drei Triebwagen und Personenwagen mit offener Plattform. Auch Post und Güter wurden transportiert. In Niederdorf führte ein Abstellgleis quer über die Hauptstrasse. Der Verkehr wurde gestoppt, wenn ein Zug in den «Stumpen» manövrierte. «Für den Fruchtverlad im Herbst wurden viele kleine Güterwagen mit Kornsäcken beladen», erinnert sich Rickenbacher, der später auch die Ausbildung zum SBB-Lokomotivführer absolvierte.
Wiederinbetriebnahme
Die Fahrzeiten waren vor 1982 sehr unregelmässig. «Es gab noch keinen Taktfahrplan, da hatten wir manchmal lange Pausen in Liestal», sagt Rickenbacher. Ein beliebter Ort zum Einkehren dafür war der «katholische Bahnhof», ein Restaurant an der Oristalstrasse. Nicht weit davon stand die «G. Thommen», die vor sich hin rostete. Was sollte mit der Maschine geschehen? Ein Plan wurde gefasst: Zum 100-Jahre-Jubiläum der Waldeburgerbahn im Juni 1980 sollte diese Loki wieder dampfen.
Verwaltungsratspräsident Roland Straumann unterstützte die Idee. Eine Arbeitsgruppe unter Rickenbachers Leitung formierte sich, unter anderem mit Hans Leupin und Ernst Grossglauser. 1975 wurde die «G. Thommen» vom Denkmalsockel geholt und nach Waldenburg geschleppt. «An Samstagen arbeiteten wir in der Werkstätte in Waldenburg und bei Firmen im Tal, die ihre Maschinen zur Verfügung stellten.»
Der Kessel wurde bei den Österreichischen Bundesbahnen in Knittelfeld neu hergestellt, und rechtzeitig zum grossen Fest erlebte die «G. Thommen» ihre zweite Jungfernfahrt. Dazu wurden auch drei Personenwagen wieder in grüner Farbe bemalt, die fortan mit der «G. Thommen» den Nostalgiezug bildeten. Hinzu kam noch ein zweiachsiges Wägelchen, das zum Salonwagen umgebaut wurde. Zu Ehren von Rickenbachers Ehefrau wurde es von Malermeister Hugo Hersberger aus Liestal mit dem Namen «Martheli» geschmückt.
Der Eurovapor-Dampfzug wurde dann nicht mehr weitergeführt, 1984 wurde das Rollmaterial abtransportiert. Reste der Lokomotive befinden sich bei der Bregenzer Waldbahn, allerdings in schlechtem Zustand.
Derweil wurde der WB-Dampfzug zu einem Markenzeichen für das Waldenburgertal. Bis zur Einstellung auf Ende 2014 verkehrte die Komposition mehrmals pro Jahr öffentlich sowie auf Bestellungen, beispielsweise für Hochzeiten und Geburtstage. Die «Dampfgruppe» kümmerte sich um die technischen Belange, ein Serviceteam um Speisen und Getränke an Bord. Mit der Umspurung der WB kam das Ende des WB-Nostalgiebetriebs. Die Lok, ein Personen- und ein Güterwagen fanden in der Remise «Talhaus» eine neue Heimat. Die anderen zwei Personenwagen und das Salonwägelchen verschwanden nach Osteuropa.
Markus Rickenbacher, Vater dreier Töchter, arbeitete später für die Baselland Transport AG (BLT), war Direktor der Oensingen-Balsthal-Bahn und zog später aus beruflichen Gründen in den Thurgau, wo er heute noch lebt. Die Geschehnisse im Waldenburgertal verfolgt er aber weiterhin mit Interesse. Die Meterspur findet er richtig: «Es war ein mutiger Schritt, den ich nicht für möglich gehalten hätte. Aber ich bin zufrieden damit. Die WB ist nun für die Zukunft gerüstet.»
Zwei WB-Filme an einem Wochenende
ld. Filmproduzent Anton Schweizer aus Hölstein zeigt zwei neue Filme mit WB-Bezug: Am Samstag wird um 15 Uhr im Vereinszimmer der Mehrzweckhalle Niederdorf der Film «Markus Rickenbacher erinnert sich an die Waldenburgerbahn von einst» gezeigt. In der Remise «Talhaus» führte Lorenz Degen ein Gespräch mit ihm, das Anton Schweizer aufzeichnete. Markus Rickenbacher und Lorenz Degen werden anwesend sein. Die Ausstellung zur WB im Industriemuseum (Pavillon auf dem Schulhausplatz) ist von 10 bis 16 Uhr geöffnet (Eintritt frei, freiwillige Austritts-Kollekte). Am Sonntag, 6. April, wird um 10 Uhr im Kino Oris in Liestal der Film über die elektrischen WB-Fahrzeuge in der Slowakei vorgeführt. In diesem Film kommen filmische Bahnerlebnisse aus Osteuropa vor, die Anton Schweizer während seiner Reisen erlebt hat, unter anderem bei der Wassertalbahn in Rumänien. Der Eintritt ist frei, Kollekte zur Deckung der Unkosten.
Saisoneröffnung in der Remise «Talhaus»
ld. Am 27. April eröffnet die Remise «Talhaus» die neue Saison. Die Dampf-Gartenbahn fährt und die Remise ist für eine Besichtigung geöffnet. Weitere Besuchstage finden statt an folgenden Sonntagen: 25. Mai, 29. Juni, 27. Juli, 31. August, 28. September (dann mit Modellbahnanlage «Talhaus»). Die Reihe «Wort für Wort in einem Zug» wird auch dieses Jahr fortgeführt: am Sonntag, 18. Mai, zum Thema «Was ich noch zu sagen hätte», und am Sonntag, 9. November, im Rahmen der Buch Basel zum Thema «Das Familienfest». Die Saison 2025 endet offiziell am Sonntag, 26. Oktober, mit dem letzten Fahr- und Remisentag. Beide Veranstaltungen beginnen um 17.30 Uhr. Als besonderen Jahresabschluss gibt es am 14. November Nachtfahrten der Dampf-Gartenbahn zwischen 18 und 19 Uhr.