Ein Haus für 800 und ein Jahr

  03.04.2025 Bezirk Sissach, Gemeinden, Gesellschaft, Kultur, Bezirk Sissach, Sissach

Kreisel bei Autobahnaus- und Tunneleinfahrt neu gestaltet

Der 1.-April-Scherz ist gelüftet. Die Zunzger «Büchelburg» bleibt, wo sie ist – zumindest vorerst. Dafür setzte ein Künstler-Trio anlässlich der Sissacher Jubiläen ein Haus mit Begrünung auf den Kreisel vor dem Westportal des Sissacher Umfahrungstunnels.

Nikolaos Schär

Viele Zunzgerinnen und Zunzger sind am vergangenen Dienstmorgen nicht beim Kreisel vor dem Westportal des Sissacher Umfahrungstunnels erschienen, um der Zügelaktion der «Büchelburg» beizuwohnen (die «Volkstimme» berichtete). Wahrscheinlich hatten es viele geahnt: Das ganze war eine Scherzaktion anlässlich des 1. Aprils. Was die Schaulustigen, darunter auch Vertreter der «Büchelburg»-Erbauer, stattdessen dargeboten bekamen, war jedoch auch nicht ganz unspektakulär.

Ein Künstlertrio bestehend aus den Steinbildhauern Sabine Gysin aus Läufelfingen und Peter Thommen (Lausen) sowie dem Sissacher Eisenplastiker Rudolf Tschudin gestalteten auf Anfrage der Kommission «Sissach 2025» den meistbefahrenen Kreisel im Oberbaselbiet anlässlich der Sissacher Jubiläen (800 Jahre Gemeinde und 500 Jahre Reformierte Kirche) neu. Dafür bauten die drei ein Haus, das symbolisch für die Entstehung des Dorfs stehen soll.

Ein Lastwagen mit Kran hievte kurz nach 10 Uhr morgens das rund eine Tonne schwere Haus auf den Kreisel. Dafür musste eine Fahrbahn für rund 45 Minuten gesperrt werden. Ein Sicherheitsdienst sorgte dafür, dass der Verkehr weiter floss, wenn auch vereinzelt genervte Autofahrer die Aktion mit der Hupe quittierten. Danach wurde das Eisengerüst des Hauses, das sonst aus rezyklierbaren Materialen besteht, fachgerecht im Boden verankert.

«Wir hätten es ruhig noch 20 Zentimeter grösser machen können», kommentierte Thommen das Resultat. Die Idee der Macher, nur rezyklierbare Materialien zu verwenden, soll dazu anregen, mehr über einen bewussteren und nachhaltigeren Konsum von Ressourcen nachzudenken. «Einige werden sich sicher wieder das Maul zerreissen», sagt Gysin mit einem Lächeln. Das Haus wirkt wegen dem Flickwerk aus vielen Einzelteilen, darunter Blech, Schaltafeln und Möbelstücken, wie eine karibische Strandhütte.

Das Haus der Natur überlassen
Ein rund um das Haus befestigter Eisenring wurde mit tatkräftiger Unterstützung der «Gmüeserei Sissach» mit Erde gefüllt. Unter fachmännischer Anleitung des ehemaligen Geschäftsführers von Pro Natura Baselland, Urs Chrétien, wurde eine Vielzahl von einheimischen Pflanzen und Blumen rund um das Haus gesetzt. «Denn um eine Siedlung aufzubauen, brauchte es damals fruchtbares Land», sagt Gysin. Einen Wasseranschluss gibt es auf dem Kreisel jedoch nicht. «Nach einem einmaligen Giessen wird die Natur den Verlauf des Wachstums der Pflanzen bestimmen», so Gysin.

Um das Haus optisch abzurunden, setzte Tschudin einen Hahn – symbolisch für die Reformierte Kirche – aus Eisen auf den Dachgiebel. Dessen Gefieder erzeugte Tschudin mit Eisenplättchen in filigraner detailversessener Handarbeit. Im Innenbereich hängt ein Kronleuchter, den Gysin auf Ricardo ersteigert hat und der künftig in der Nacht leuchten soll, sobald das Tiefbauamt den Stromanschluss angefertigt hat.

Während rund vier Wochen haben Gysin, Tschudin und Thommen an dem Haus gearbeitet – die Arbeitsstunden leisteten sie unentgeltlich. Von der Kommission «Sissach 2025» hätten sie zu Beginn 5000 Franken zugesprochen bekommen, sagt Gysin. «Als wir sahen, was alleine der Transport kostet, baten wir um eine Erhöhung des Budgets», so Gysin. Die den Dreien – zwar nicht in gewünschter Höhe – gewährt wurde.

Viele weitere kleine Akzente werden wohl die wenigsten zu sehen bekommen, da Autofahrer den Verkehr im Blick haben sollten und kein Trottoir zum Kreisel führt. Thommen denkt nicht, dass die Autofahrer durch die Kunstinstallation abgelenkt werden: «Es gibt sogar eine Studie, die besagt, dass ein Blickfang die Konzentration der Verkehrsteilnehmer erhöht.»

Damit nicht nur Verkehrsteilnehmer das Kunstwerk bestaunen können, plant das Trio, mehrere Tafeln in Sissach aufzustellen. Im Gegensatz zur «Büchelburg» hat das «Kreiselhaus» ein fixes Ablaufdatum: In rund einem Jahr wird es wieder abgebaut. Danach könnte es laut den Machern einen neuen Verwendungszweck finden.

Mit einem kleinen Apéro neben dem Werkhof wurde der neugestaltete Kreisel mit einer kurzen Ansprache des Sissacher Gemeindepräsidenten, Peter Buser, eingeweiht. Unter den Anwesenden fand sich auch Ettore Candolfi als Vertreter des Zunzger Gemeinderats, der seinerseits zum Apéro bei der am selben Abend stattfindenden Einweihung eines auf dem Boden vor dem Zunzger Gemeindehaus aufgemalten Scherzkreisels einlud.


Image Title

1/10

Möchten Sie weiterlesen?

Ja. Ich bin Abonnent.

Haben Sie noch kein Konto? Registrieren Sie sich hier

Ja. Ich benötige ein Abo.

Abo Angebote