Und dann ging alles schnell
03.04.2025 FussballLoris Schreiber wechselt leihweise nach Wil
Im modernen Fussball hängt alles zusammen: Verletzungen beim FC Basel führen zu einer Rückholaktion, die im Gegengeschäft bedeutet, dass der Gelterkinder Loris Schreiber nun für den FC Wil in der Challenge League aufläuft.
Sebastian Wirz
Es ist nicht gerade der bekannte Flügelschlag eines Schmetterlings, der einen Wirbelsturm auslöst. Aber die Verletzung von FC-Basel-Verteidiger Finn van Breemen hat doch so viel «Wind gemacht», dass im Endeffekt das Leben von Loris Schreiber neu ganz anders aussieht: Der Gelterkinder, der seit Sommer zur Basler U21 gehört hatte, hat gestern seine erste Trainingseinheit beim FC Wil absolviert und spielt bis Sommer leihweise für den Challenge-League-Verein.
Hintergrund für den vorübergehenden Wechsel des 18-Jährigen in die Ostschweiz ist die Verletzungsmisere in der FCB-Defensive mitten im Meisterrennen der Super League. Nachdem sich Innenverteidiger Adrian Barisic bei einem Länderspiel und eben Positionskollege van Breemen beim Aufwärmen vor dem Spiel gegen Winterthur am Sonntag verletzt hatten, machte sich der FC Basel auf die Suche nach Ersatz. Er einigte sich mit dem FC Wil darauf, den erst im Januar aus der U21 dorthin verliehenen Marvin Akahomen (17) zurückzuholen. Als Folgegeschäft wechselt Akahomens ehemaliger Mannschaftskollege Schreiber nach Wil.
«Es ging extrem schnell. Am Montag um 10 Uhr habe ich die Anfrage erhalten, ob ich diesen Wechsel machen will. Das Ganze musste bis Montagabend über die Bühne gehen, weil sich das Transferfenster dann schloss», sagt Schreiber. Der Aussenverteidiger musste sich entsprechend schnell entscheiden und sich etwa mit dem Arbeitgeber und der Schule einigen, da er sich im letzten Jahr seiner Sportler-KV-Lehre befindet.
Grund zu zögern gab es aber keinen: «Die Leihe bedeutet als allererstes, dass ich eine Liga höher spielen darf, also in der ersten Profi-Liga. Ich finde es cool, dass das geklappt hat, und freue mich vor allem auf die Challenge League. Der FC Wil ist ein super Verein, wenn man auf die Förderung der Jungen schaut», sagt der U20-Nationalspieler.
«Lehrabschluss ist mir wichtig»
Gestern ist Schreiber nach Wil gezogen in die ehemalige Wohnung Akahomens; er wird aber zeitweise weiterhin in Gelterkinden wohnen. «Ich werde am Montag noch zur Schule und zur Arbeit gehen und kann an anderen Tagen vom Homeoffice aus arbeiten. Ich bin also nicht zu 100 Prozent Profi», sagt der Fussballer, «es ist mir wichtig, dass ich meine Abschlussprüfungen machen kann.»
Der FC Wil belegt in der Challenge League den 5. Rang und befindet sich im «Niemandsland» der Tabelle: Bei noch acht ausbleibenden Spielen haben die Ostschweizer zwar 14 Punkte Rückstand auf einen möglichen Aufstiegsplatz, aber auch 18 Punkte Vorsprung auf den Abstiegsplatz. Sie können es sich erlauben, Nachwuchsspielern viel Einsatzzeit zu geben. «Ich hoffe, dass ich einige Minuten erhalte», sagt Schreiber. Was nach der Rückrunde passiert, ist indes offen. «Wir haben mit Wil schon einmal darüber geredet, was im Sommer sein könnte. Es wäre eine Möglichkeit, dort zu bleiben», sagt der Oberbaselbieter – fügt aber an: «Wenn ich denke, was am Montag an einem Tag passiert ist, kann sich in zwei Monaten sehr viel verändern.»