Schuldig
03.04.2025 PersönlichMUNDART
Der Plan weer eifach gsi: Früeh ins Bett und denn – schloofe. Und i säg, wies isch: Der erschti Teil vom Plan isch ufgange. I bi am halb Zähni unter der Decki gläge und ha Folgendes dänkt: «Bravo Dominik! Morn spicksch us em Bett wiene Toast us em Toaster.»
Der zweiti Teil vom Plan, ebe dä mit em
Schloofe, aso wie söll i säge, halb Zähni isch vor vier Stund gsi. Das hani usgrächnet, hellwach, belüchtet vom chalte Liecht vom
Wecker. Aagstrahlt vo der Zyt, dene Ziffere, wo yys-chalt am Morgen entgegeghüpft sy. Und zwar definitiv schnäller as süscht.
I ha mi in die verschiidenschte Positione gwuchtet, Schöfli und anderi Tierli zellt und denn: Am Mond d Schuld in d Schue gschoobe. Am Vollmond.
Es isch jo eh immer praktisch, wenn öbber anders d Schuld isch, hani dänkt. Aso jetz nid nur in däm Fall. Nid nur der Mond. Ganz allgemein. D Schuld sy besser die Andere.
Wil sälber d Schuld sy, das isch öbbis sehr aasträngends. Und öbbis unaagnähms. I mein, im schlimmschte Fall, muesch di no go entschuldige. Das muesch der mol vorstelle. E Fehler yygestoh? Nei. Chumm. Hau mer ab! Gang wäg Schuld. Uuse mit dir. Verschwind. Nei Schuld, nid durs Chatze-Türli wiider yyne cho, dusse blyybe! Pfui Schuld. Chumm, gang dört übere, gang schön zu de Noochbere. Oder weisch was, Schuld? Gang in en ander Land, wyt wägg vo do! In en eermers Land am beschte. Eis, wo sich nid so guet cha wehre. Weisch was Schuld? I schaff di us. One way. Tschüss Schuld, alles Gueti und chumm nie meh zrugg.
I bi aso im Bett gläge, am drei am Morge, belüüchtet vo der Zyt. Im Wüsse, ass i in e paar Stund muess ufstoh, zum uf Tour go, mit mym Programm, in d Theater, zu de Lüt, wo denn gseie, wie müed ass i usgseh.
Und denn säge si: «Dä gseht müed us, he?» Und in sone müeds Gsicht cha me jo schnäll mol alles Möglichen yynen intepretiere.
My Techniker het letschti au müed usgseh, hani dänkt. My Techniker, wo mi begleitet uf dere Tour. Är het müed usgseh, und het gsäit, am Tisch mit der Veraastalterin, nach em Uftritt, ass är sich mängisch frogt, öb me so Züüg überhaupt no darf mache, jetz, bi dere Wältlag. Öb men überhaupt no darf ufträtte, mit Humor und Gschichten und Muusig. Und d Veraastalterin het denn gsäit, ass si findet, ass es ebe grad jetz um so meh Kultur-Veraastaltige bruucht. Ort, wo me sich trifft, wo me cha abschalten und lache. Nur wils der Wält schlächt goht, hört der Bäcker jo au nid uf Gipfeli bache. Denn söll d Dichterin au nid ufhöre Gedicht schryybe …
Und denn bini yygschlofe. Aso nid im Theater, sondern im Bett, im chalte Liecht vo der Zyt. Und woni am nöggschte Tag der Techniker troffe ha, het är gsäit: «Scheisse, gsehsch du müed us.» Und i ha zum Mond ufezeigt. Zum Mond, wo unschuldig um d Ärde dreiht und zueluegt, wie sich d Mensche gegesytig d Schuld in d Schue schiebe, und wie sich au immer alles wiiderholt, egal, wie vill Zyt as vergoot.
Dominik Muheim ist in Reigoldswil aufgewachsen und lebt in Liestal. Er ist freischaffender Kabarettist und Slam-Poet. Er gewann 2017 den Baselbieter Kulturpreis und ist Träger des «Salzburger Stiers» 2024.