Hoffentlig e Gwohnets-Dier

  20.03.2025 Persönlich

MUNDART

Der Mensch isch e Gwohnets-Dier. Vor guet 60 Johr bin ich im Parterre linggs vom e dreistöggige Säggs-Familie-Huus uffgwaggse. In minere Lehrzyt han ich mir im Eschtrig ooben e gleini Dunggelkammere yygrichtet. Dört han i stundelang Fotene vergrösseret und zum Droggne mit Wöschklämmerli an e gschpannti Schnuer ghänggt. Wenn ich öppis vergässe ha – und das isch X-Mol vorkoo – bin i rasant s Stägehuus die drei Stögg abeghüpft ins Parterre linggs zur Wohnigstüür yne und mit Schwung dur die erschti Türe rächts diräggd in my Buebezimmer. Mit 20 bin i denn ins Usland go schaffe. Au mini Eltere sin an e neui Adrässe zooge.

Meh als zäh Johr spöter – werum, weiss i nümm – het mi d Familie vom dritte Stogg rächts zem z Nachtässen yyglade. S isch e gmüetligen Oobe worde in däm Huus vo minere Juged. Gäge Mitternacht ha mi denn verabschiidet, bi rasant s Stägehuus die drei Stögg abeghüpft ins Parterre linggs zur Wohnigstüür yne und mit Schwung dur die erschti Türe rächts diräggd in my Buebezimmer. Wie gwohnt mach i s Liecht aa und …

… im e fremde Bett rysst e gleine Bueb d Augen uff. Ich mach augebligglig s Liecht wiider us, beweg mi ruggwärts und grüschlos us mym Zimmer, us der Wohnig, us em Huus, us em Staub. Uff em Velo bin i denn der Sägibärg ab und, wie gwohnt, noch Birsfälde gradlet. Dört han i sit Johre wie gwohnt gwohnt. Wie gwohnt bin i dört in mi Zimmer und ins Näscht. Verruggt, han i bim Yyschlofe dänggt, fasch hätt mi d Macht vo der Gwohnet zu men Ybrächer gmacht.

Das isch tatsächlig en ussergwöhnlig Erläbnis gsi. Aber ussergwöhnligi Erläbnis ghöre zum e halbwäggs ussergwöhnlige Läbe. Ussergwöhnligi Erläbnis sin im e halbwäggs ussergwöhnlige Läbe jo nüt Ussergwöhnligs. S Ussergwöhnlige isch zer Gwohnet worde. Was uns früehner dierisch uffgreggt het, zauberet uns hüten allefalls e müed Lächle uf d Lippe. Der Mensch gwöhnt sich an alles. S isch nummen e Froog vo der Zyt – und vo der Dosis.

So ha mi mittlerwyle dra gwöhnt, ass i mit jedem Dag ein älter wird. Ha mi dra gwöhnt, ass i all unseri Zytige numme no online liis. Ha mi dra gwöhnt, ass mir rund um d Uhr live könne zueluege, wie unsri Ärden us de Fuege grotet. D Redaggtione vo däre Wält vergiften uns mit eren Überdosis vo schregglige Bilder und News. Wän si uns wirgglig dra gwöhne, ass täglig e neui Sau dur s globale Dorf trampt und alles uff e Kopf stellt? Ha mi scho dra gwöhnt?

Eigentlig find i scho vyyl simpleri Zueschtänd gwöhnigsbedürftig. Byschpiilswyys, ass immer wiider yybroche wird bi uns im Baselbiet. Und ass trotzdäm unsri Huustür über Nacht immer wiider speerangelwyt offe stoht. Do kann i mi wirgglig numme schlächt dra gwöhne. Aber abgseh dervoo: Falls emol tatsächlig sott e fremd Wäse zu mir in s Zimmer stürme und s Liecht aamache …, i hoff eifach, ass es denn au numme e Gwohnets-Dier isch.

Aernschd Born wohnt in Reinach. Er ist Songpoet, Autor und Kulturschaffender.


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