Ein Plädoyer für die Erneuerbaren

  03.04.2025

Zum Meinungsbeitrag «Die Energiewende kommt nicht voran und ist zu teuer!» von SVP-Landrat Andi Trüssel in der «Volksstimme» vom 27. März, Seite 8

Periodisch müssen wir auf der Meinungsseite der «Volksstimme» die notorischen Anprangerungen der vom Volk und alt Bundesrätin Doris Leuthard beschlossenen Energiestrategie 2050 von Andy Trüssel lesen. Diese käme nicht vorwärts. Man hätte Mühleberg laufen lassen sollen und so weiter.

Herr Trüssel, im Gegensatz zu Ihnen hat Frau Leuthard nach einer weiteren Nuklearkatastrophe in Fukushima folgendes erkannt: Mühleberg hatte ei- nen geflickten Reaktorbehälter, liegt unterhalb einer Staumauer, die mit 1.-Weltkriegs-Beton gebaut wurde, und lief am Rande der Bundeshauptstadt. Bei einem Crash dieses überalterten Kahns hätte in einem 20-Kilometer-Umkreis eine Bevölkerung von 600 000 Menschen evakuiert werden müssen: unmöglich! Bundesverwaltung, Parlament
– nichts mehr hätte funktioniert. Die Schweiz wäre «tot»! Doris Leuthard hat uns davor bewahrt.

Die Strompolitik der grossen Parteien in den vergangenen fünf Jahrzehnten lautete wie folgt: Anfangs hatten wir nur Wasserkraftwerke, Stromvergeudung wurde gefördert mit Billigtarifen für Elektroheizungen. Als es nicht mehr reichte, wollte man mit den Atommeilern unbegrenzt viel grössere Energiemengen herstellen, um noch viel mehr verschwenden zu können. Der Stromverbrauch wuchs noch schneller. Die Kosten für den ganzen schöpfungszerstörenden, radioaktiven Mist zahlen alle künftigen Generationen, dann wird nach Subventionen gerufen.

Es ist viel besser, Subventionen in Erneuerbare zu investieren. Seit dem Beschluss der Energiestrategie 2050 wird mit dem Strom anständig umgegangen, es gab sogar vorübergehend Verbrauchsabnahmen. Dass wir nicht schneller vorankommen, liegt seit Jahren an Politikern wie Andy Trüssel. Statt Förderung der Erneuerbaren haben wir immer noch Behinderung. Wenn jemand privat Strom ins Netz einspeist, wird ihm ein «Lumpenpreis» bezahlt und der Strom wird vom Energieunternehmen doppelt so teuer verkauft. Liebe Politiker, sorgt endlich dafür, dass der Einspeisetarif dem Hochtarif im Verbrauch entspricht und wir kommen fünf Mal schneller vorwärts in der Energiepolitik.

Kurt Ehrsam, Häfelfingen, Elektro-Ingenieur


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