Ein neues Gefühl für körperliche Bewegung

  21.11.2024 Sissach

Zentrum Mülimatt setzt bei der Pflege auf Roboter-Technik

Das «Mülimatt» nutzt einen Roboter, der die Pflegenden unterstützt. Dieses neu entwickelte Schweizer Gerät mit dem Namen Pegasus Spine simuliert durch gezielte Anwendung an Rücken, Becken oder Oberschenkeln Rotationsbewegungen in der Wirbelsäule, die von der Bewegung her dem normalen Gehen ähneln.

Sander van Riemsdijk

Das Zentrum für Pflege und Betreuung Mülimatt in Sissach legt Wert auf Innovation und das damit verbundenen Sparen von Ressourcen zugunsten der Bewohnenden. Dabei spielen das Wohlbefinden und die Autonomie eine entscheidende Rolle. Nun setzt das Zentrum zur Unterstützung im Pflegebereich Mobilisation das neu entwickelte Schweizer Robotik-Produkt «Pegasus Spine» ein – dies mit grossem Erfolg, wie Geschäftsführerin Mireille Dimetto sagt. «Das Bild des geflügelten Pferdes Pegasus in der griechischen Mythologie bietet durchaus Parallelen zum neuen Gefühl der besseren Beweglichkeit unserer Bewohnenden.»

«Ein Drittel der Bewohnenden in Altersheimen leidet unter akuten Rückenschmerzen, die sie an der dringend benötigten körperlichen Bewegung hindert», erklärt Dimetto. Als Folge schränkten sie ihre Tätigkeiten und den sozialen Austausch immer weiter ein. Sie seien so auch vermehrt auf die Unterstützung durch Pflegende angewiesen. «Oft fehlen in Pflegeheimen wie auch bei uns im Zentrum Mülimatt aber die personellen Kapazitäten, um mit gezielten und regelmässigen Aktivitäten die Bewohnenden mit Training in der Erhaltung ihrer Kräfte zu unterstützen», sagt Mireille Dimetto. «Mit dem neuen Gerät kann das Pflegepersonal im Bereich Bewegung und Mobilisation entlastet werden.» Zukunftsweisend sieht Dimetto vermehrt den Einsatz solcher Geräte als Synergie zwischen Technik und alltäglicher Pflege, wobei sie festhalten möchte, dass der Einsatz ein Hilfsmittel ist und nicht die Menschen in der Pflege und Betreuung ersetzten kann.

Einfach in der Handhabung
Der kompakte Therapieroboter mit einem Gewicht von nur 4,5 Kilogramm ist einfach in der Handhabung, wobei die Steuerung via Künstliche Intelligenz über eine App auf einem Mobiltelefon erfolgt. Die Anwendungen werden digital aufgezeichnet und die Therapie laufend entsprechend der Fortschritte angepasst. «Die aufgezeichneten Daten dienen zur individuellen Steuerung und Anpassung der Trainingseinheiten und zudem als Nachweis für die durchgeführten bewegungsfördernden Massnahmen gegenüber den Krankenkassen», erläutert die Geschäftsführerin. Das Gerät simuliert durch gezielte Anwendung an Rücken, Becken oder Oberschenkeln Rotationsbewegungen in der Wirbelsäule, die dem Bewegungsmuster im normalen Gehen entsprechen. Die Muskulatur wird dadurch gelockert, die Durchblutung gefördert, Schmerzen und Missempfindungen gehen zurück. Ausschlaggebend dabei ist die Regelmässigkeit der Nutzung, wobei der tägliche Einsatz wichtig ist. Gestartet wird mit 12 Minuten pro Tag, später sind es dann 30 Minuten.

Im «Mülimatt» konnten in einer ersten Phase vier Bewohnende die Robotik, die sowohl im Sitzen wie auch bei Bettlägerigkeit eingesetzt werden kann, testen und Erfolge erzielen. Als Pilot-Station wird die Pflegestation 3 im Haus A eingesetzt. Stationsleiter Kristian Hekker ist von der positiven Wirkung des Geräts, das aktuell jeweils zwei Stunden pro Tag im Einsatz ist, überzeugt: «Die Bewohnenden fühlen sich erleichtert, entspannt, wohlig und zeigen ein deutlich fliessenderes Gangbild, mehr Stabilität und einen aufrechteren Gang.» Er betont dabei den sozialen Aspekt: «Unsere betagten Bewohnenden erlangen so ein Stück ihrer Freiheit zurück und können besser am aktiven Leben teilnehmen.»

Für die Mitarbeitenden der Pflege, die dafür eine Schulung absolvieren müssen, bedeutet der Einsatz des Geräts einerseits eine körperliche Entlastung. Anderseits können sie das Training mit den Bewohnenden aktiv in der individuellen, aufwendigen Tagesgestaltung einplanen und mit ihnen die Entwicklungsschritte gemeinsam gehen. «Der Mehraufwand für die individuelle Planung für jeden einzelnen Anwender lohnt sich», ist Hekker überzeugt und fügt an, dass «sukzessive weitere Mitarbeitende geschult werden, um den Einsatz des Geräts auszuweiten.» Ob das «Mülimatt» künftig mehrere Pegasus Spine-Geräte einsetzen werde, ist noch unklar. «Aktuell sind wir noch im Pilotversuch», sagt Dimetto, «aber wenn man den Erfolg sieht, ist dies durchaus denkbar.»


Pegasus Spine
svr.
Das tragbare Pegasus Spine ist eine Art Kissen, das im Liegen oder Sitzen die Wirbelsäule rotieren lässt, ähnlich wie beim Gehen. Die dazugehörige App nutzt Künstliche Intelligenz, um die Behandlung zu personalisieren und die Auswirkung auf die Wirbelsäule gezielt zu kontrollieren. Pegasus Spine ist heute ein ausgereiftes Therapiegerät, das vom Markt sehr positiv aufgenommen wird und ein echtes Bedürfnis in der Arbeit mit älteren Personen abdeckt. Durch intensiven Austausch mit den Anwendenden im «Mülimatt» fliessen wertvolle Erkenntnisse an die Entwicklungsbasis des Herstellers, der die eindrücklichen Ergebnisse für weitere technische Innovationen nutzen kann.


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