Der Gipfel vom ne Schoofseckel
20.02.2025 PersönlichMUNDART
Zu Rächt wird zurzyt s Füehrigssystem in der Film- und Theaterbranche kritisiert. Z lang sy Übergriff und sexuell motivierte Druck uf Darsteller stillschwyygend duldet worde. Teil Regisseur häi hemmigslos Machtspiili gspiilt und d Abhängigkeit vo Schauspiilerinnen und Schauspiiler für sich usgnützt. Und niemer het troue, sich z wehre.
Dasch mer au mol passiert mit me Regisseur namens Top Dick. Uf Mundart übersetzt «Gipfel & Seckel». «Der Gipfel vom ne Schoofseckel» aso. Nomen est omen!
Am Theater z Gelsenkirchen isch är der Regisseur vom Rockmusical «Rocky Horror Show» und I as Transvestit Frank ’n’ Furter der Hauptdarsteller. Dasch eini vo myne Paraderolle, won I scho vill an andere Hüüser gsunge ha. I ha aso richtig Ahnig, was z tue isch.
Doch grad am erschte Probetag will är mit mir ellei rede. Är rutscht ganz nööch und säit lyslig: «Lass Dich fallen, Junge, vergiss alles, was Du je über Theater wusstest. Bei mir ist alles anders.» Syni Auge sy chalt wie die vom ne Krokodil. No leit er mer d Händ uf d Chnüü, druckt und zwinkeret frivol: «Vertrau mir, ich bin Dein Alter Ego! Wir werden uns sehr bald sehr gut mögen, ja?». Dä Typ baggeret my tatsächlig aa! Drum sääg I numme förmlig: «Gehn wir weiterarbeiten!» Dasch natürlig e dütligi Abfuehr und het ganz übli Konsequänze.
Vo dört a isch nüt mee rächt, won I mach, kei Schritt und kei Satz. Ständig Underbrächigen und Schikane jede Taag, volli sächs Wuche lang. Mit Absicht undergrabt dä my Spiilfreud und my Motivation. Und hindenummen intrigiert er by de Kollege: «Der Schneider ist ein Problem, nur wegen ihm muss ich immer unterbrechen und ihr müsst warten.» Ganz, ganz bösartig. Aber s Wort Mobbing isch denn nonig bekannt.
Sy Inszenierig wird furzbiider und bünzlig. Und I fühl my wie in e Korsett ygschnüert. Nie chan I so rockig abdrucke, wien I das süscht gwöhnt bi, wil är my jo doch ewigs underbricht. Dasch so fruschtrierend! Der Gipfel leischtet är sich aber no an der Premiere grad vor mym erschten Uftritt. I stand scho voll konzentriert wien e Skirennfahrer am Start, do rysst my dä Top Dick von hinde zrugg und schreyt mer ins Oor: «Jetzt zeig, was du gelernt hast!» I schwör, hätt I no Zyt gha, I hätt däm Schoofseckel voll e paar in sy blödi Frässi ghaue!
Jetz bin I so vollpumpt mit Adrenalin, dass mer plötzlig alles schyssegal isch. Chuum uf der Bühni rock I my Rolle bis zum Aaschlag und zwar esoo, wien I se will. Und o Wunder, der Funke springt über, d Kollegen und d Band styge sofort mit yy, as weere mer befreit vo allne Zwäng. S Publikum tobt und stoot bald uf de Stüehl! Joo, das isch ächts Theater, dasch s höggschte Glücksgfühl überhaupt! Und d Zytige schryybe spööter, numme mir Darsteller heebe mit euser überbordende Spiilfreud die yyfallslosi Inszenierig in e Triumph verwandlet!
Nur no eis an jungi Theaterlüt: Dir syd weder Untertane, no Marionette, no Luschtobjekt – Punkt!
Florian Schneider wurde 1959 geboren und stammt aus Reigoldswil. Er ist Sänger, Schauspieler und Liederschreiber und lebt mit Tochter Mina in Eptingen.