Blick hinter die Kulissen

  03.04.2025

BERG & TAL
Nach den erfolgreichen Weltcups in Colorado ging es zur WM nach Kanada; die Teilnahme war mein grösstes Ziel dieser Saison. Viele gute Fahrerinnen waren angereist, was mich einschüchterte, doch ich hatte hohe Erwartungen an meine eigene Leistung.

Der Banked Slalom stellte sich mit 23 Kurven als echte Herausforderung heraus. Die Strecke verlangte mir alles ab. Am Tag der Qualifikation fühlte ich mich gut. Das Training und die erste Runde verliefen vielversprechend. Ich konnte umsetzen, was ich mir vorgenommen hatte, war jedoch nicht sehr schnell. Mein Zwischenergebnis war der 9. Platz. Da nur die ersten acht weiterkamen, musste ich in der zweiten Runde mehr Risiko eingehen. Meine Beine kamen mit dem höheren Tempo nicht zurecht, ich fiel hin – und einen Platz zurück.

Vom Cross erwarteten wir alle viel. Bei den letzten Meisterschaften kam ich dort aufs Podest. Die Strecke war technisch nicht sehr anspruchsvoll, erforderte aber viel Mut und Sicherheit in den Kurven. Im Training war ich sehr gut mit dabei und fuhr überzeugt. Im Wettkampf jedoch hatte ich grosse Mühe, das nötige Risiko einzugehen. Auch die Tricks aus dem Mentaltraining wollten nicht helfen. Ich hatte zusätzlich Schwierigkeiten, den Druck auf der Kante gut zu dosieren. So rutschte ich immer leicht in die Kurven. Damit konnte ich mich nicht durchsetzen und landete auf dem 12. Platz. Die Enttäuschung war gross.

Umso schöner war, dass ich tags darauf gemeinsam mit Aron Fahrni beim Team-Event noch eine Chance erhielt. Ich stand deutlich überzeugter auf dem Board, und Aron machte einen richtig guten Job. Gemeinsam landeten wir auf dem 6. Platz. Das Fahren direkt neben der Konkurrenz fühlte sich gut an, und die entscheidende Kurve konnte ich besser carven und dadurch mehr Tempo generieren. Es war ein ermutigender Abschluss. Trotzdem: Meine Resultate waren insgesamt deutlich schlechter als erhofft.

Ziemlich angespannt kam ich zurück. Eine Dokumentation, die in den vergangenen zwei Jahren über mich erstellt wurde, strahlte SRF kurz nach unserer Rückkehr aus. Ich musste mich vom Gedanken lösen, dass diese nur Berechtigung hätte, wenn die aktuellen Ergebnisse top wären. Es geht beim Filmprojekt um viel mehr: Um einen intimen Einblick in eine schwierige Zeit, um Aufklärung und den Mut, trotz Hindernissen dran zu bleiben. An Letzteres muss ich mich selber immer wieder neu erinnern.

Die Wertschätzung meiner Offenheit durch andere berührt mich jeden Tag aufs Neue, wenn ich ermutigendes Feedback zur Doku erhalte. Ich bin froh, dieses Risiko eingegangen zu sein.
Romy Tschopp

Vom Rollstuhl aufs Snowboard: Die Sissacherin Romy Tschopp wurde 1993 geboren und ist die erste Schweizer Para-Snowboarderin, die an Paralympischen Spielen teilnehmen konnte. Sie wurde 2023 Vizeweltmeisterin im Snowboardcross.


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