Gut eingebettet in der Dorfgemeinschaft

| Do, 24. Okt. 2019
Das Theaterensemble des Bergbauernvereins (im Bild ohne Hauptdarsteller Thomas Portmann) probt für seinen Auftritt am Heimatabend. Bild Elmar Gächter

Elmar Gächter

Sie sind die Bergbauern unseres Kantons, die Landwirte in und um Langenbruck. 1945, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, haben sie sich in einer eigentlichen Selbsthilfegruppe zusammengeschlossen, um sich gegenseitig zu unterstützen, sich weiterzuentwickeln und das Gemeinschaftliche zu fördern. Langenbruck befindet sich mit einer Meereshöhe von über 700 Metern in den landwirtschaftlichen Bergzonen I und II. «Wir dürfen uns deshalb mit Recht Bergbauernverein nennen», sagt Vereinspräsident Thomas Portmann. Der 35-Jährige ist im fünften Jahr Präsident des Vereins. Er bewirtschaftet mit seiner Frau das Hofgut Spittel in Langenbruck.

Die Hochblüte erlebte der Verein in den 1980er- und 1990er-Jahren. Dafür sorgte die Viehauktion, mit der die Landwirte eine Plattform geschaffen haben, um ihre Tiere zu besseren Konditionen ins Tal verkaufen zu können. «Der Anlass hatte einen solch grossen Aufmarsch, dass als Folge davon nur noch Vereinsmitglieder ihre Tiere an die Auktion bringen durften», so Portmann. Der Verein konnte sich weitherum einen ganz besonderen Namen machen und die Mitgliederzahl beträchtlich erhöhen. Die jährliche Auktion gilt laut Portmann nach wie vor als hervorragendes Pflaster für gute Preise und als Garant für eine sehr hohe Verkaufsquote.

Branche im Strukturwandel
Nicht mitgehalten hat hingegen der Mitgliederbestand, denn längst vorbei sind die Zeiten, da die Vereinszugehörigkeit Bedingung war, um an der Viehauktion teilzunehmen. Heute hat sich die Zahl der Vereinsmitglieder auf etwas über 60 eingependelt. Neue Interessenten sind willkommen, auch wenn deren Höfe unterhalb der Bergzonen angesiedelt sind. Es sei in der Landwirtschaft ein eigentlicher Strukturwandel im Gang, weil in den letzten Jahren viele Landwirte ins Rentenalter gekommen seien und verschiedene Betriebe nicht mehr weitergeführt würden, so Thomas Portmann. Er macht auf ein Problem aufmerksam, das nicht nur in Langenbruck aktuell ist. Immerhin hätten sich hier noch über 20 Betriebe halten können. «Und erfreulicherweise können wir auch immer wieder das eine oder andere Vereinsmitglied dazugewinnen», hält er fest.

Auf die Bedeutung seines Vereins in der heutigen Zeit angesprochen, meint Thomas Portmann: «Wir sind keine Selbsthilfegruppe mehr. Eine solche braucht es auch nicht mehr, denn unsere Landwirtschaft ist gut aufgegleist und wird von den Dachverbänden unterstützt.»

Der Verein sehe sich vermehrt als Brückenbauer zwischen der bäuerlichen und der nichtbäuerlichen Bevölkerung. «Die Landwirte und ihre Familien sind hier präsent und auch fest eingebettet in das gesellschaftliche Leben», sagt Portmann. Dazu zähle vor allem der jährliche Heimatabend, der am kommenden Wochenende mit einer Theateraufführung und einem traditionellen Rahmenprogramm stattfinde.Tradition ist dem Verein generell wichtig. «Und doch fragen wir uns jedes Jahr aufs Neue: ‹Entspricht dies noch dem heutigen Zeitgeist, erreichen wir damit auch die jungen Leute?›»

Etwas Neues wagen?
Wie bei vielen anderen Vereinen auch stünden die Leute nicht Schlange, wenn es um die Suche nach Helferinnen und Helfern für Anlässe gehe. Aber vielleicht ist es für ihn als 35-Jährigen einfacher, junge Leute für solche Einsätze zu motivieren. Und dem Wandel in der Altersstruktur der Mitglieder gewinnt Thomas Portmann durchaus auch positive Seiten ab: «Dies eröffnet uns die Möglichkeit, etwas Neues zu wagen.» Entsprechende Ideen seien jedoch erst angedacht. Die Zukunft des Vereins sieht er grundsätzlich positiv, auch wenn die Mitgliederzahl eher kleiner werden dürfte.

Der Präsident ist überzeugt, dass sich eine Mitgliedschaft auch weiterhin lohnt, und er hebt dabei das Knüpfen von Beziehungen und das Pflegen des Netzwerks hervor. Beides sei vor allem für Landwirte, die hier neu Betriebe übernehmen, ein grosser Vorteil.

Heimatabend des Bergbauernvereins Langenbruck und Umgebung mit Theater und Vorprogramm: Samstag, 26. Oktober, 20 Uhr, Mehrzweckhalle Langenbruck. Nachmittagsvorstellungen am Samstag, um 13.30 Uhr, sowie am Sonntag, 27. Oktober, um 13 Uhr.

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