Claude Janiak – Baselbieter Ständerat

Fr, 27. Sep. 2019

Applaus für einen Abtretenden

Raus aus der letzten Session der Legislatur, rein ins «Volksstimme»-Nachtcafé: Der abtretende Baselbieter Ständerat Claude Janiak ­erzählte in Sissach, dass sein Abschied aus der Politik nicht von grosser Wehmut begleitet ist.

Es war im Januar 1976, als Claude Janiak die politische Bühne betrat – er war zuvor in den Gemeinderat von Bubendorf gewählt worden. Es folgte eine bemerkenswerte Karriere: Nach seinem Umzug nach Binningen sass er ab 1981 für die SP im Landrat, wo er – mit Unterbruch – bis 1999 blieb. Er war unter anderem Fraktions­chef, während sechs Jahren erfolgreicher Parteipräsident (in dieser Zeit mit zwei SP-Regierungsräten) und krönte seine politische Tätigkeit auf kantonaler Ebene mit dem Landratspräsidium. Ende 1999 wurde er in den Nationalrat gewählt, 2007 durfte er in den Ständerat wechseln.

Bald 44 Jahre nach seiner ersten Wahl in ein öffentliches Amt sass der nunmehr 71-jährige Claude Janiak am vergangenen Freitag bei Gast­geber Robert Bösiger auf der Bühne im «Volksstimme»-Nachtcafé in der Oberen Fabrik in Sissach. Nur wenige Stunden zuvor hatte er seinen Platz im Ständeratssaal endgültig geräumt – es war seine letzte Session. Wehmut habe er nicht verspürt, sagte Janiak auf die entsprechende Frage. Er habe vier Jahre lang gewusst, dass dieser Tag sein letzter im Ratsbetrieb sein werde: «Ich war also gut vorbereitet.» Wider Erwarten sei er dann aber dennoch etwas gerührt gewesen, da seine Verabschiedung durch Ständeratspräsident Jean-René Fournier recht emotional ausgefallen sei. Ein Abschiedsfest an seinem «Letzten» habe er nicht veranstalten wollen. Tags zuvor sei er mit Anita Fetz, der Basler Ständerätin, die ebenfalls Abschied nimmt, und einigen Freunden «einen trinken gegangen», das wars. Viele wirklich gute Freunde habe er in der Bundespolitik ohnehin nie gehabt – es seien «zwei, drei» gewesen. Namentlich erwähnte er Christine Egerszegi, die ehemalige freisinnige Ständerätin aus dem Kanton Aargau.

Die eitlen Seiten

Stand Janiak, der einen stets zurückhaltenden Eindruck vermittelt, eigentlich eher ungern im Mittelpunkt, wie Talkmaster Robert Bösiger mutmasste? «Nein, ich habe durchaus meine eitlen Seiten», sagte der Sozial­demokrat. Speziell die vielen Auftritte 2006 während seines Jahrs als Nationalratspräsident – als «höchster Schweizer» – habe er ausgesprochen genossen. Eine Anekdote aus dieser Zeit: Die Königin von Norwegen hatte sich zum Besuch in der Schweiz angekündigt. Er, der in eingetragener Partnerschaft lebt, habe damals seinen Mann für das Bankett angemeldet. Der Protokollchef sei darob fast in Ohnmacht gefallen. Aussenministerin Micheline Calmy-Rey habe daraufhin notfallmässig angeordnet, dass das Protokoll geändert wird – und seither ein Mann auch einen Mann – oder eine Frau eine Frau – an solche Anlässe mitbringen dürfe.

Janiak konnte herzlich lachen, als er am Freitag diese Episode erzählte. Allerdings habe er als Homosexueller auch «widerliche Beschimpfungen und Drohungen» erlebt. Er, der Anwalt, habe zwei Mal deswegen Personen eingeklagt und gewonnen. «Politiker­innen trifft es allerdings noch viel schlimmer als mich», sagte er. Sie müssten viel aushalten. Gerade auch in den sozialen Medien sei der Ton häufig unanständig. Gemünzt auf die Twitter-Aktivitäten von Politikern, meinte er: «Bei manchen wäre es gut, sie würden das Gehirn einschalten, bevor sie einen Tweet absetzen.» Mitgemeint war auch Donald Trump, der US-Präsident: «In auffällig vielen Ländern sind mittlerweile Egomanen an der Macht, das gibt mir schwer zu denken.» Auch die Entwicklung in Polen beobachte er mit Sorge, sagte er, der auch den polnischen Pass hat.

FCB, Kultur und Oliven

Das Abtreten falle ihm nun leicht. Er habe auch für die Region viel erreicht und zahlreichen Infrastrukturprojekten – ob Strasse, Schiene oder Wasserweg – zum Durchbruch verhelfen können. Und zuletzt sei es ihm gelungen, Bundesanwalt Michael Lauber zur – äusserst knappen – Wiederwahl zu verhelfen. Quasi in letzter Minute sei es ihm gelungen, einige Mitglieder der SP-Bundeshausfraktion noch umzustimmen. Er werde sich nun seinen kulturellen Interessen widmen, reisen und an jedes FCB-Heimspiel gehen. Und weiterhin Olivenöl in Süditalien produzieren.

Befragt nach seiner Wahlempfehlung für seine Nachfolge, mochte er sich nicht verbindlich äussern, was bei der Baselbieter SP seit einiger Zeit für leise Irritation sorgt. Augenfällig viele Baselbieter Sozialdemokraten waren im Nachtcafé aber ohnehin nicht zugegen, um ihrem Ständerat an dessen «Letztem» die Reverenz zu erweisen. Sie waren an diesem Abend wohl eher auf der Strasse, um dafür zu werben, dass der Sitz in den Reihen der SP bleibt. Gros­sen Applaus für Janiak gab es vom gemischten Publikum in der Oberen Fabrik trotzdem. Dies auch, nachdem der Sissacher Regierungsrat Isaac Reber während der Fragerunde die Leistungen Janiaks namens der Kantonsregierung ausführlich gewürdigt, gelobt und verdankt hatte.

David Thommen

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